Haus Naldo

Ein geradliniges Wohnhaus entstand in Wolfsburg nahe der Alvar-Aalto-Kirche.

In bester Gesellschaft

Wolfsburg. Nur ein paar Schritte entfernt von der Heilig-Geist-Kirche Alvar Aaltos in Wolfsburg-Klieversberg liegt in einer ruhigen Seitenstraße das von Ahad-Architekten errichtete Wohnhaus für den brasilianischen Fußballstar Naldo. Eigentlich wollte die Familie hier 2018 einziehen, doch dann entwickelten sich die Pläne anders und Naldo wechselte vom VfL nach Schalke.

Geradlinig und grafisch streng wirkt das Wohnhaus zur Straßenseite, allerdings nur auf den ersten Blick. Der weit vom Straßenraum zurückgesetzte zweigeschossige Baukörper gibt dem Gebäude mit seiner grünen Rasenfläche den notwendigen Raum, um seine Wirkung zu entfalten.

Weiße Flächen kontrastieren mit edel verarbeiteten Fassadenteilflächen aus Silikat-Modellierputz, für dessen Struktur ein vertikaler bronzefarbener Besenstrich ausgewählt wurde. Bronze-eloxiert sind auch die Rahmen der Holz-Aluminium-Fenster, und das korrespondiert perfekt mit der Eingangstür: Eiche pur. Diese feinsinnig eingesetzten und handwerklich verarbeiteten Materialien offenbaren bereits in der ersten Begegnung den hohen Grad an gestalterischer Perfektion, der sich im Innern weiter fortsetzt.

Das Erdgeschoss ist unterteilt in einen großzügigen Gästebereich mit drei Zimmern und Bad sowie die Hauptwohnräume, die sich fließend um einen zentralen, sechs Meter hohen Raum mit Galerie entwickeln. Helligkeit und Großzügigkeit, ein eleganter Umgang mit Volumen, Licht und Material charakterisieren diese Haupträume, die sich mit großen Fenstern und deckenhohen, über Eck laufenden Glasfronten nach Süden zur Terrasse und dem Garten mit Pool öffnen.

Die Treppe zum Obergeschoss scheint im Raum zu schweben. Das aus durchgehendem Glas gestaltete Geländer ist fast unsichtbar und unterstreicht die pure Schönheit der verwendeten Materialien. Geräucherte Eiche für die Bodendielen, reines Weiß für die Wände und Decken, dazu Glas. Die Räume im Obergeschoss mit ihrer breiten Loggia zelebrieren die Sicht auf den Außenraum im Breitwandformat. Über bodentiefe Fenster hat jeder Raum Zugang zur Loggia.

Passend zum Farbton der Fenster sind die Lamellen für Sicht- und Sonnenschutz bronzefarben gestaltet. Auch die Kinderzimmer sind mit einem eigenen Bad ausgestattet und mit ihren farbigen Kacheln nach der Farblehre Le Corbusiers durchgehend harmonisch in einem zarten Rosa und einem Blassgrün kombiniert.

Die Neuinterpretation von Materialität und die Wiederentdeckung von Handwerkskultur definieren das Niveau dieses Wohnhauses – und das in bester Gesellschaft zum ikonischen Bau der Moderne des finnischen Architekten Alvar Aalto.

Ute Maasberg, Braunschweiger Zeitung, 15.10.18